Kostenlose Avatar-Generatoren für Ren’Py

RenPy
Interactive Fiction
Spieleprogrammierung
Autor:in

Jörg Kantel

Veröffentlichungsdatum

15. Dezember 2022

Als ich jüngst halbwach vor mich hin träumte, kam mir die Idee für ein Ren’Py-Tutorial/-Spiel. Es sollte eine Art wüste Räuberpistole werden, mit einer schönen, aber korrupten Griechin (wie komme ich nur darauf?1) in einer Nebenrolle, einer unfähigen Bürgermeisterin mit gefälschtem Doktortitel als Oberbösewichtin (darauf stößt einen die Wirklichkeit ja mit der Nase) und einem etwas geistig unterbelichteten IT-Spezialisten, der nach seinem Rausschmiß aus der Polzei-Akademie nach Berlin abgeschoben wurde, weil die dafür eigentlich vorgesehenen Wege nach Brüssel oder Straßburg schon von abgehalfterten Politikerinnen und Politikern verstopft waren und er in Berlin dennoch als überqualifiziert galt. Also eine Geschichte, wie sie das stinknormale Leben jeden Tag schreibt2.

Hochmotiviert wollte ich mich natürlich sofort an die Realisierung wagen, aber gerade noch rechtzeitig fiel mir ein, daß mir für eine Visual Novel das Talent zum visuellen fehlt. Daher sollte mir das Internet dabei helfen und ich machte mich auf die Suche nach kostenlosen Avatar-Generatoren. Schnell hatte die Suchmaschine meines Vertrauens diese Ergebnisse in meinen Browser gespült:

  1. Den simplen und freien Baukkasten für Avatare »Avataaars« (mit fünf »a«) hatte ich hier im Blog Kritzelheft schon häufiger vorgestellt. Ich mag ihn gerade wegen seiner eingeschränkten Möglichkeiten, denn man hat mit ihm sich schnell einen Prototpyen zusammengeklickt.
  2. Kompexer ist das »Anime Avatar Maker Tool« von Avachara. Hier solltet Ihr Euren Entwurfsprozeß mit einer sorgfältigen Buchführung über Eure einzelnen Schritte begleiten, um Eure Figur reproduzieren zu können. Zwar geht das auch irgendwie aus der URL hervor – aber glaubt mir, eine Buchführung ist einfacher.
  3. Mein derzeitiger Favorit ist aber der »Avatar Maker«. Mit diesem freien (frei wie Freibier) Online-Tool könnt Ihr Avatare in vier verschiedenen Stilrichtungen (von »Avataaars«-ähnlich über zwei verschiedene Comic-Stile bin hin zu »wie handgezeichnet«) zusammenklicken. Die Ergebnisse könnt Ihr entweder als PNG- oder als SVG-Datei herunterladen und mit der Bildverarbeitung Eures Vertrauens nachbearbeiten. Den Avatar im Screenshot oben habe ich mit dem Avatar Maker erzeugt.
  4. Der »Avatar Generator« ist eine freie PHP-Anwendung, die auf vielen Webseiten zu finden ist, da sie sich leicht einbinden läßt (die Originalquelle habe ich allerdings nicht gefunden). Das Ergebnis wirkt wie eine Weiterentwicklung von »Avataaars«. Ihr könnt es entweder als PNG (max. 500x500 Pixel) oder als skalierbare SVG-Datei herunterladen. Bei der SVG-Datei ist allerdings Vorsicht geboten: Nicht jedes Graphikprogramm kann diese Datei fehlerfrei anzeigen und weiterbearbeiten. Mit dem freien Inkscape funktionierte es bei mir allerdings problemlos.
  5. Der »South Park Avatar Generator« ist etwas für Fans der Fernsehserie South Park. Mit ihm könnt Ihr recht große PNGs im Stil der Comic-Figuren der Serie erzeugen. Allerdings besitzen die Kinderfiguren einen großen Weißraum, so daß der Einsatz in Ren’Py noch etlicher Nachbearbeitung bedarf.
  6. Als letzten, besonders interessanten Generator möchte ich noch die Seiten von Framic vorstellen. Hier könnt Ihr Euch kostenlos online Avatare im Stil des Mittelalters, als Superhelden, als Harry-Potter-Figuren, im Stil von Mangas, als Zombies, Monster, Piraten, Vampire oder mehr (einfach auf jeder Startseite nach unten scrollen) zusammenbasteln. Da hinter allen Seiten die gleiche Engine steckt, lassen sich die einzelnen Figuren in einem Spiel problemlos kombinieren. Und es sind nicht die gewohnten Brustbilder, sondern Ganzkörper-Avatare, die ihr als PNG bis hin zur 4K-Größe (4.096x4.096 Pixel) herunterladen könnt. Das dürfte selbst für ausgefallen große Screens ausreichen.

Ich glaube, für mein geplantes Projekt werde ich mich noch etwas länger mit den Seiten von Framic beschäftigen und Euch auch über Zwischenergebnisse informieren.

Daneben habe ich noch folgendes zu berichten: Ich habe Frieden mit Visual Studio Code geschlossen, denn ein Ren’Py-Plugin für diesen Editor hat seinen Weg dorthin (es war eigentlich ein Atom-Plugin) gefunden, und es ist eine große Arbeitserleichterung für mich. Zudem habe ich den Editor auch problemlos auf meinem Chromebook installiert bekommen und damit habe ich einen weiteren Schritt geschafft, mich aus der Mac-only-Falle zu befreien3.

Und als Letztes: Ich plane, meine oben anerzählte Räuberpistole erst einmal als Textabenteuer mit dem freien (MIT-Lizenz) Ink und Inky zu entwickeln, bevor ich sie in Ren’Py visualisiere. Denn mit Texten kann ich (noch!) besser umgehen, als mit Bildern. Und im Gegensatz zu Twine besitzt Ink eine Verzweigungsstruktur, die den »Menüs« von Ren’Py ziemlich ähnlich ist. Und vielleicht finde ich sogar noch ein Tool, daß ähnlich wie Inks Unity-Exporter die Integration nach Ren’Py vereinfacht. Sonst muß ich mich halt mit einem simplen JSON-Export behelfen. Still digging!

Fußnoten

  1. Nun ja, Agentengeschichten ohne bestechliche, sexbesessene und attraktive Griechinnen sind keine wahren Agentengeschichten. Das lehrt einem jeder James-Bond-Film.↩︎

  2. Wem das alles bekannt vorkommt: Einen ähnlichen Plot hat Robert Ciesla in seinem Buch »Game Develoment with Ren’Py – Introduction to Visual Novel Games Using Ren’Py, TyranoBuilder, and Twine«, New York (Apress) 2019, pp 217, verbraten. Aber im Gegensatz zu meiner ist seine Geschichte völlig unrealistisch. Denn obwohl sie in Großbritannien (vor dem Brexit!) und Norwegen spielt, kommen darin keine korrupten EU-Parlamentarier vor. Robert Ciesla ist allerdings Finne, daher gehören korrupte Europapolitikerinnen und -politiker vermutlich nicht zu seinen Alltagserfahrungen.↩︎

  3. Jetzt muß ich »nur« noch GitHub Desktop auf meinem Chromebook installert bekommen (angeblich gibt es davon eine nicht-authorisierte Linux-Version), dann habe ich mich nicht nur vollständig und komlett aus der Mac-only-Falle befreit, sondern nenne auch ein Chromebook für Mausschubser mein eigen.↩︎