Schließt das Fu Long? Das Ende einer Neuköllner Institution?

Neukölln
Modernes Leben
Autor:in

Jörg Kantel

Veröffentlichungsdatum

4. Januar 2026

Das China Restaurant Fu Long existiert seit 1990 am Britzer Damm 18, also an der Schnittstelle zwischen Neukölln und Britz, und ist seit dieser Zeit in Familienbesitz. Geleitet wird es von Anfang an von Su Zheng, der freundlichsten und fröhlichsten Chinesin in Berlin. Gabi und ich sind 1990 – kurz nach unserer Hochzeit – zum ersten Mal dort eingekehrt und haben es seitdem immer wieder und regelmäßig besucht. Aber auch mit anderen Freunden war der Besuch bei der »Chinafrau« ein Muß.

Das Fu Long war aber nicht nur bei Neuköllnerinnen und Neuköllner (und manchmal auch bei Touristinnen und Touristen), sondern auch in der Media-Branche beliebt. So wurde es im Juli 2023 auch schon einmal bei Dreharbeiten kurzfristig in Asia Tempel umbenannt, ich weiß allerdings bis heute noch nicht, für welchen Film oder welche Fernsehserie.

In all den Jahren hat das Fu Long weder sein äußeres Erscheinungsbild (wie obiges Photo von 2012 beweist) noch seine Inneneinrichtung oder gar seine Speisekarte verändert. Es war einfach ein fester und unveränderlicher Bestandteil der Neuköllner Restaurant-Szene mit legendären Portionsgrößen, auf die man sich verlassen konnte und wo man wußte, daß man bei der Chinafrau immer satt wurde. Daher war ich ein wenig geschockt, als ich bei meinem heutigen Besuch von Su Zheng hören mußte, daß – wenn alles klappt – das Fu Long im Februar dieses Jahres schließen wird. Sie schaffe es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr, das Lokal weiterzuführen. Wenn alles nach ihren Vorstellungen ginge, übernehme den Laden als Nachmieter jemand, der »internationale Küche« anbieten würde. Das kann gut gehen, muß aber nicht.

Als Reaktion darauf habe ich angefangen, alle Freundinnen und Freunde, mit denen ich jemals im Fu Long war, zu einem letzten Besuch im Januar einzuladen, um die Chinafrau gebührend zu verabschieden.

Eine Hoffnung gibt es aber noch: Wenn das mit dem Nachmieter nicht funktionieren sollte, wird Su Zheng den Laden noch weitere fünf Jahre bis zu ihrem Rentenbeginn führen. Das ist zwar nicht in ihrem Sinn und ihr auch aus gesundheitlichen Gründen nicht zu wünschen, aber der kleine, boshafte Egoist in mir möchte es dennoch. Denn es gibt nicht viele ernstzunehmende Restaurants in meiner Nähe.

Su Zheng bittet jedenfalls alle Kunden, die ab Mitte Februar 2026 das Fu Long besuchen möchten, vorher anzurufen und zu fragen, ob der Laden noch geöffnet sei. Sie möchte nicht, daß jemand umsonst nach Britz fahre.


Photos (cc) 2012-2026: Gabriele und Jörg Kantel