Atlas Curiosa: Dorfanger Alt-Heiligensee
Hoch im Norden Berlins auf einer Halbinsel, begrenzt vom namensgebenden See und der Oberhavel liegt das ehemalige Dorf Heiligensee. Es ist das Dorf mit dem längsten Dorfanger Berlins. Früher war das Dorf eine Insel, die nur über einen Knüppeldamm erreichbar war.
Im Mittelpunkt des Angers seht die Dorfkirche. Ihr Kern geht wahrscheinlich auf das Ende des 15. Jahrhunderts zurück. Sie ist im Laufe der Jahrhunderte umgebaut worden. 1667 bekam das Kirchenschiff seine jetzige Form. Der heutige Turm wurde zwischen 1707 und 1713 errichtet und 1761 umgebaut. Dabei bekam er auch seine Haube. Die Kirche steht unter Denkmalschutz. Doch schon bei der ersten urkundlichen Erwähnung Heiligensees (Hyelegense) 1308 wird es als Kirchdorf bezeichnet. Zu diesem Zeitpunkt muss Heiligensee also schon eine Kirche gehabt haben, mit großer Wahrscheinlichkeit aus Holz.
Um die Kirche herum befindet sich der alte Dorffriedhof, auf dem bereits um die Jahrhundertwende aus Angst vor Seuchen die Bestattungen verboten waren.
Zu dem historischen Angerdorf Heiligensee gehören die alte Schmiedewerkstatt Alt-Heiligensee 61 und das hinter der Schmiede gelegene Wirtshaus Dorfaue Heiligensee von 1869, indem es heute eine wunderbare, schwäbische Küche gibt.
Dem alten Dorf Heiligensee widmen sich viele Sagen, die von einem verwunschenen Schloss, welches im See versank, von der Weihung des Sees mit einem silbernen Heiligenbild alle hundert Jahre und dessen Heilkraft, Lahme wieder gehend zu machen, oder auch von einem Gespann schwarzer Stiere, die im See versanken, berichten. In der ersten urkundlichen Erwähnung Heiligensees aus dem Jahre 1308 wird von dem Verkauf einer Spandauer Wiese an das Spandauer Nonnenkloster berichtet; in einem nur wenige Jahre jüngeren Dokument von 1313 wird bereits eine Fähre erwähnt, die bis zum Jahre 1506, als man eine Brücke bei Hennigsdorf errichtete, stark frequentiert wurde.
Heiligensee erlangte zum Ende des 14. Jahrhunderts zunehmend Bekanntheit, da der seinerzeit sehr beliebte Pilgerweg zum Blutaltar in Wilsnack hier entlangführte. Nach der Reformation verlor der Pilgerweg seine Bedeutung und Heiligensee versank in eine Art Dornröschenschlaf, aus dem es erst zu Beginn der Industrialisierung wieder wachgeküsst wurde, als die Berliner mehr und mehr ins Grüne strebten.
Verwendete Literatur
- Bezirksamt Reinickendorf von Berlin: Kirche und Dorfanger in Heiligensee, abgerufen am 7. Januar 2026
- Bezirksamt Reinickendorf von Berlin: Heiligensee, abgerufen am 7. Januar 2026
- Fieselfux: Alt Heiligensee, 24. September. 2015, abgerufen am 7. Januar 2026
- Gerd Koischwitz: Sechs Dörfer in Sumpf und Sand. Geschichte des Bezirkes Reinickendorf von Berlin, Berlin (Verlag »Der Nord-Berliner«) 1984, Seiten 109ff.
- Laufpark Reinickendorf: Dorfanger Alt-Heiligensee, Outdooractive, abgerufen am 7. Januar 2026
- Tourismusverein Berlin-Reinickendorf e.V., Redaktion Christiane Flechtner(Hg.): Mitten ins Herz, Kapitel 2: Heiligensee, abgerufen am 7. Januar 2026
- Wikipedia: Dorfkirche Heiligensee, abgerufen am 7. Januar 2026
- Michael Zaremba: Reinickendorf im Wandel der Geschichte. »Laß’ hinter dir, was trüb und wild …«, Berlin (be.bra-verlag) 1999, Seiten 23ff.
Photos (cc) 2025: Jörg Kantel




