Zur Erinnerung an Wolfgang Lefèvre (1941–2025)

Wissenschaftsgeschichte
Autor:in

Jörg Kantel

Veröffentlichungsdatum

12. Januar 2026

Am Wochenende erreichte mich die Nachricht, daß mein ehemaliger Hochschullehrer, mein langähriger Kollege am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und mein Freund Wolfgang Lefèvre schon am 25. Dezember 2025 verstorben ist.

Wolfgang hat, zusammen mit Peter Damerow, meinen Lebensweg entscheidend geprägt. Denn das von den beiden herausgegebene Buch »Rechenstein, Experiment, Sprache. Historische Fallstudion zur Entstehung der exakten Wissenschaften« hat mich 1981 in das Studium der Wissenschaftsgeschichte getrieben. Das ging damals an der FU Berlin nur im Fachbereich Philosophie und die beiden einzigen, die es unterrichteten, waren Wolfgang Lefèvre und Peter Damerow. Und als ich dann nach einem mehrjährigen Exkurs in der Industrie 1994 am frischgegründeten Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte eine Anstellung als EDV-Leiter bekam, wurden die beiden meine Kollegen, mit denen ich gerne und intensiv zusammenarbeitete – mit Peter bis zu seinem Tod 2011 und mit Wolfgang bis zu meiner Rente 2019, also fast 25 Jahre lang.

Aber die beiden waren nicht nur wegen ihrer wissenschaftlichen Arbeit, sondern auch wegen ihrer Politik mein Vorbild: In den 1960er Jahren engagierten sich beide im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) und wurden 1965 zusammen AStA-Vorsitzende an der Freien Universität (FU) Berlin. Dieser antiautoritären, linken politische politischen Haltung ist Wolfgang sein Leben lang treu geblieben, auch in seiner wissenschaftlichen Arbeit. Das kommt exemplarisch in dem von ihm herausgegebenen, einflussreichen Band »Picturing Machines 1400–1700« zum Ausdruck.

Mit Wolfgang hat mich ein weiterer Mensch verlassen, der meinen Lebensweg beeinflusst und mein Leben geprägt hat, und der sicher nicht nur mir fehlen wird. Ich werde ihn dankbar und mit großem Respekt in Erinnerung behalten.


Photo (cc) 2006: Jörg Kantel