Atlas Curiosa: Der Waldsee in Hermsdorf

Atlas Curiosa
Reinickendorf
Photographie
Autor:in

Jörg Kantel

Veröffentlichungsdatum

26. Januar 2026

Der Waldsee ist ein 2,6 ha großer See im Stadtbezirk Reinickendorf, Ortsteil Hermsdorf. In den See münden der Ceciliengraben und drei Leitungen aus der Regenwasserkanalisation ein, die Schmutzfrachten in den See eintragen.

Der ursprünglich eiszeitliche Teich hieß früher auch Sandsee. 1906 erwarb die »Hermsdorfer Boden-Aktiengesellschaft« Liegenschaften von den Erben des Hermsdorfer Rittergutbesitzers Ludwig Lessing, nach dem die Wasserfläche zeitweilig auch Lessingsee genannt wurde. In der Folgezeit (1908–1914) legte die Baugesellschaft durch die Führung der Straßen und die architektonische Gestaltung der Landhäuser das sogenannte »Waldseeviertel« an. Ein Bebauungsplan von 1911 räumte dabei künstlerischen vor kommerziellen Gesichtspunkten Vorrang ein, wozu der Waldsee ausgebaggert und mit einer Parkanlage (Lessingpark) umgeben wurde, um mit dem Ensemble von Park und See das Interesse von Parzellenkäufern zu wecken. Zu diesem Zweck wurde der See als vorgesehener Glanzpunkt des Waldseeviertels vergrößert

Prominenter Anwohner war der Schriftsteller Erich Kästner, der 1964–1969 mit seiner damaligen Lebensgefährtin Friedhilde (Friedel) Siebert und Sohn Thomas in einer Doppelhaushälfte (Parkstraße 3a) lebte. Hier feierte er 1969 auch seinen 70. Geburtstag. Kästner pendelte zwischen der Freundin in Berlin und der Lebensgefährtin Luiselotte Enderle in München, bis Friedel Siebert 1969 mit ihrem Sohn endgültig nach Zürich zog.

In den Jahren 2016 und 2017 wurde der See im Saugspülverfahren entschlammt. Nach Beendigung der Entschlammungsarbeiten wurde ein nachsorgendes Monitoring ausgeführt. Seine Daten sind die Grundlage für die Steuerung einer Belüftungsanlage, über die dem Seewasser bei Bedarf Sauerstoff zugeführt wird.

Verwendete Literatur


Photo (cc) 2026: Jörg Kantel