Marimo: Das Python-Notebook, das endlich Sinn ergibt

Python
Marimo
Py5
Autor:in

Jörg Kantel

Veröffentlichungsdatum

2. Juni 2026

Schon mehrfach hatte ich in diesem Blog Kritzelheft über Marimo, den neuen Stern am Python-Notebook-Himmel berichtet. Und immer waren diese Berichte mit guten Vorsätzen pepflastert, die nie zur Ausführung kamen. Heute also in weiterer Anlauf. Schauen wir mal, was daraus wird.

Sumit Panday schreibt in The Python notebook that finally makes sense (Medium.com, eventuell Bezahlschranke (€)): Marimo ist ein Open-Source-Python-Notebook. Reaktiv. Wird als einfache .py-Datei gespeichert. Es kann als Notebook, Skript oder Webanwendung aus demselben Quellcode ausgeführt werden. Das ist die gesamte Produktbeschreibung.

Alles andere ist eine Folge. Der Clou ist der Abhängigkeitsgraph. Marimo analysiert Euren Code und ermittelt, welche Zellen von welchen Variablen abhängen. Ändert Ihr einen Wert in einer Zelle, werden alle nachfolgenden Zellen automatisch neu ausgeführt. Kein veralteter Zustand. Kein »Habe ich das in der richtigen Reihenfolge ausgeführt?«. Wenn eine Zelle auf eine nicht mehr existierende Variable verweist, erhaltet Ihr eine Fehlermeldung beim Bearbeiten, nicht erst drei Stunden nach Beginn einer Besprechung. Dies ist keine Jupyter-Schnittstelle. Es handelt sich um ein von Grund auf neues Design.

Marimo wird innerhalb kurzer Zeit installiert. Ihr benötigt lediglich Python 3.9 oder neuer (idealerweise in einer eigenen Umgebung). Dann:

pip install marimo

Das war’s. Keine JupyterLab-Erweiterung, keine Kernel-Registrierung. ipykernel install --user --name=... Das Paket ist in sich abgeschlossen. Um es ohne Installation auszuprobieren, öffnet Ihr es einfach molab.marimo.app im Browser und klickt auf »New Notebook«. Es handelt sich um die vom Marimo-Team gehostete Version. WebAssembly, keine Einrichtung erforderlich, läuft im Tab.

Sinnvoller ist aber eine lokale Installation. Programme, die man auf dem eigenen Rechner installiert, funktionieren in der Regel auch nach zwei Jahren noch.

Marimo-Notebooks sind reine Python-Dateien: .py und kein .ipynb-Gepfriemel. Und mit

marimo run notebook.py

fungiert das Notebook als Webanwendung. Die Zellen mit Code verschwinden. Widgets und Ausgaben bleiben erhalten. Euer Notebook ist nun ein Streamlit-Dashboard, nur daß Ihr keine separate Streamlit-Anwendung geschrieben habt.

Ihr könnt es mit WebAssembly auch in eine einzelne statische (sic!) HTML-Datei exportieren:

marimo export html-wasm notebook.py -o dist

Diese HTML-Datei führt Python im Browser aus. Kein Server erforderlich. Sie kann auf GitHub Pages oder hinter jedem beliebigen Webserver gehostet werden. Der Leser erhält über eine statische URL ein interaktives Notebook.

Wenn ich jetzt noch herausbekomme, ob und wie Marimo mit Py5 funktioniert, dem Processing-Python3-Modul, das Processings Original-Bibliotheken (via JPype) nutzt, dann habe ich ein neues Spielzeug gefunden. Still digging!

Anhang: Marimo-Tutorials

Time to Revisit Python Notebooks - with Hamel Husain.


Bild: Marimo Python, generiert mit OpenArt. Prompt: »A python with glasses+ and a pointer in front of a chart with diagrams in an office. Shelves with books on the walls. It’s a sunny morning. Classic American comic book style. No speech bubbles, no text boxes.A python with glasses+ and a pointer in front of a chart with diagrams in an office. Shelves with books on the walls. It’s a sunny morning. Classic American comic book style. No speech bubbles, no text boxes.« Modell: Nano Banana 2