Die Barbarei wirft ihre Schatten voraus: Keine neuen Stolpersteine in Heidenau
Mit Hilfe der CDU und einer obskuren »Bürgerinitiative Oberelbe für mehr Demokratie« (BOD) hat die AfD in der sächsischen Kleinstadt Heidenau (nahe Dresden) ihren geschichtsrevisionistischen Antrag durchgeboxt, dass keine weiteren Stolpersteine auf öffentlichen Wegen verlegt werden dürfen. Stattdessen solle auf dem Nordfriedhof eine »Gedenkfläche« entstehen, denn dort gäbe heute schon einen Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus.
Neben der einbringenden BOD-Fraktion haben drei CDU-Stadträtinnen und Stadträte, darunter die Fraktionsvorsitzende Cornelia Schmiedel, und fünf AfD-Fraktionsmitglieder unterschrieben. Auf Anfrage der taz erklärte auch Bürgermeisterin Conny Oertel (parteilos), sie unterstütze den Antrag.
Für das Internationale Auschwitz Komitee ist die Entscheidung »ein durchsichtiger und schäbiger Versuch, Heidenauer Opfer der Nazis erneut aus der Stadt hinauszuwerfen und sie dahin zu entsorgen, wohin das Gedenken nach Meinung der AfD schon längst gehört: auf den Friedhof«. Es sei skandalös, dass CDU-Abgeordnete der AfD »zu solchen Schäbigkeiten die Hand reichen«.
Selbst der CDU-Bundesbildungsministerin Karin Prien kritisiert den Beschluss gegen weitere Stolpersteine im öffentlichen Raum der Stadt Heidenau und sprach von einem Skandal. Besonders kritisch äußerte sich die Ministerin zu dem Vorschlag, das Gedenken auf Friedhöfe zu verlagern:
Wer Stolpersteine und Gedenkorte jüdischen Lebens aus dem öffentlichen Raum auf den Friedhof verbannt, stellt das Sterben über das Leben und macht Jüdinnen und Juden noch einmal unsichtbar.
Ach die Holocacaust-Überlebende Charlotte Knobloch, die dem Konzept der Stolpersteine durchaus kritisch gegenüber steht, ist entsetzt über das Stolperstein-Verbot in Heidenau und dass sich eine demokratische Partei dafür hergibt, ein so durchsichtiges Manöver der Extremisten von der AfD zu unterstützen.
Freiheit stirbt zentimeterweise. Die Ereignisse in Sachsen sind ein weiterer Schritt in Richtung Barbarei.
Photo (cc) 2012: Gabriele Kantel
