Staatstrojaner via Online-Werbung: Adblocker sind Notwehr
Ich hatte es – glaube ich – vor etwa zehn Jahren schon behauptet: »Adblocker sind Notwehr!« Jetzt bestätigt auch Netzpolitik.org, dass »Werbeblocker obligatorisch« seien. Denn in einer großangelegten Recherche zusammen mit dem Bayerischen Rundfunk hatten sie herausgefunden, daß sich Geräte »ohne Klick per Werbeanzeige hacken« ließen:
Erstmals konnten IT-Forscher*innen des Citizen Lab von der Universität Toronto technisch nachvollziehen, wie Angreifer Geräte per Online-Werbung hacken – ohne dass Opfer einen Klick machen müssen. Sobald eine bösartige Werbeanzeige auf dem Bildschirm eines Handys oder Rechners erscheint, soll es bereits zu spät sein, und das Gerät wird mit Spionage-Software infiziert. Die Forschenden nennen diese Art des Angriffs »AdFection«, ein Kofferwort aus »Ad« (Werbung) und Infektion.
Im Fokus der Untersuchung stand die israelische Firma Discover-Tech Ltd., die sich jahrelang als harmlose Werbebude ausgegeben hatte. Die Forscherinnen und Forscher gehen mit »hoher Sicherheit« davon aus, dass Angreifer mit Hilfe von Discover-Tech Trojaner der Firma Candiru über bösartige Werbeanzeigen verteilt haben sollen.
Ganz ohne Klick der überrumpelten Nutzerinnen und Nutzer scheint es aber immer noch nicht gegangen zu sein. Irgendwann im Vorfeld muss schon eine Interaktion mit dem Werbenetzwerk stattgefunden haben, nur eben nicht bei der manipulierten Anzeige. Und nachweisen konnte Citizen Lab die Infektion bisher nur via Windows, in wieweit auch Android- oder iOS-Geräte gehackt werden könnten, darauf ging Citizen Lab nicht ein.
Ich bin nicht so optimistisch, wie der Wiener Forscher Wolfie Christl, Co-Autor der Untersuchung des Citizen Lab, der ein Ende der Online-Werbung voraussagte, aber ich stimme ihm in der Aussage zu:
Die Art, wie Online-Werbung heute funktioniert, ist ein einziges Sicherheitsrisiko – für Staaten, den privaten Sektor, Zivilgesellschaft und für alle anderen. […] Es ist schwierig, wenn nicht fast unmöglich, sich zuverlässig vor bösartigen Werbeanzeigen zu schützen. Unsere Forschung bestätigt einmal mehr: Das Blockieren von Online-Werbung ist für die IT-Sicherheit obligatorisch.
Das bedeutet: Wer keinen Adblocker einsetzt, handelt fahrlässig. Und der Versuch einiger Browserhersteller (Google!), Adblocker zu blockieren, kann nur als bösartig und gefährlich bezeichnet werden. Diese Firmen opfern die Sicherheit ihrer Nutzer auf dem Altar der Profitgier.
Bild: Adblocker sind Notwehr, erstellt mit Scenario. Prompt: »A badger wearing a red dressing gown and reading glasses sits at a desk in front of a computer. Advertising banners are visible on the monitor. A fist emerges from one of these banners and begins to strangle the badger. A white rabbit—dressed in a yellow-checked waistcoat, a blue jacket, and a red-checked bow tie—looks in alarm at a giant pocket watch, crying out, “Zu spät! zu sät!” Behind them stand towering shelves filled with legal literature, along with a statue of Lady Justice. In a gap between the shelves hangs a poster that reads: “Adblocker sind Notwehr!” Franco-Belgian comic book style. Language: German.« Modell: Nano Banana 2(.1?).
