Nachtrag zu meinem Laboratorium für interaktive Geschichten und Spiele: Decker

Decker
Interactive Fiction
Retrogaming
Spieleprogrammierung
Retrocomputing
Hypermedia
Game Design
Autor:in

Jörg Kantel

Veröffentlichungsdatum

24. Juni 2026

In einem der gestern vorgestellten Videos von der NarraScope 2026 fand auch Decker Erwähnung. Das löste bei mir ein schlechtes Gewissen aus. Denn Decker, die freie (MIT-Lizenz) und plattforübergreifende (macOS, Linux, Windows, Web) Multimedia-Plattform zum Erstellen und Teilen interaktiver Dokumente mit Ton, Bildern, Hypertext und Skriptfunktionen, hatte ich schon öfter in diesem Blog Kritzelheft mit viel Begeisterung vorgestellt vor-, aber nie etwas damit angestellt.

Die Begeisterung kommt daher, daß Decker auf das Erbe von HyperCard1 und der visuellen Ästhetik des klassischen macOS aufbaut. Es behält die Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit von HyperCard bei und bietet gleichzeitig viele subtile und offensichtliche Verbesserungen der Benutzerfreundlichkeit, wie zum Beispiel eine detaillierte Rückgängig-Funktion, Unterstützung für Scrollräder und Touchscreens, eine modernere Tastaturnavigation und die Möglichkeit zur Massenbearbeitung.

Ebenfalls einen großen Einfluß auf die Entwicklung von Decker haben die »no-code« oder »low-code« Tools Twine und Bitsy.

Screenshot Decker

Screenshot Decker

Die aktuelle Version von Decker ist die Version 1.67 und die ist gerade einmal wenige Tage alt. Decker wird also zur Zeit noch fleißg weiterentwickelt. Und die Phinxel’s Phield Notes von ahmwma2 sind ein nettes, interakivoes Tutorial, um Decker zu lernen.

(Native) Decker ist in C geschrieben, aber die Scriptsprache von Decker ist nicht mehr Hypertalk, sondern Lil, einer Sprache, die stark beeinflusst ist von Lua, einer imperativen Sprache, die häufig in Tools und Game-Engines eingebettet wird, und von Q, einer funktionalen Sprache der APL-Familie für Zeitreihendatenbanken. Lil soll leicht zu erlernen und so konventionell sein, daß sie auch Nutzern mit wenig Programmiererfahrung keine Schwierigkeiten bereitet. Gleichzeitig bietet sie angenehme Überraschungen wie implizite Skalar-Vektor-Arithmetik und eine integrierte SQL-ähnliche Abfragesprache. Schon wenige Zeilen Lil können viel bewirken.

Fußnoten

  1. Zu HyperCard hatte ich 1996 schon einmal ein siebenteiliges Tutorial. Es war eines meiner ersten Webveröffentlichungen, bevor ich 2000 begann, das Web systematisch vollzuschreiben. Das Photo von mir auf diesen Seiten solltet Ihr nicht allzu ernst nehmen, es ist ebenfalls mindestens 30 Jahre alt (heute sehe ich natürlich besser aus 😎).↩︎

  2. Diese Site liegt bei Neocities und ist Teil des IndieWebs. Und so schließt sich ein weiterer Kreis.↩︎